Freitagabend, der Abend nach dem Tag an dem alles schief gegangen ist und dann als krönendes Sahnehäubchen die Diplomverleihung des Medienstudiengangs, und ich muss hin, kein Weg dran vorbei, im Gegenteil, ich muss mich sogar anhübschen und zumindest ein wenig in Schale werfen. Warum auch nicht. Kann ja auch ganz nett werden, wäre da nicht diese eine ganz unbedeutende Kleinigkeit: ich bin mittlerweile im 13. Semester und damit eine der letzte meiner Art.

Die meisten Leute die Freitagabend, an dem Abend nach dem Tag an dem alles schief gegangen ist, ihr Diplom verliehen bekommen haben, waren entweder in meinem Semester oder zwei drunter, von denen deren Gesichter ich gar nicht kannte, möchte ich lieber gar nicht wissen in welchem Semester die waren. Und die anderen, die, die noch länger als ich dabei sind, die erkannte man schon von vornherein daran, dass sie sich so sehr darum bemühten nicht aufzufallen, leise um die Ecken schlichen oder laut mit all den großartigen Jobs prahlten, die verhindert hatten, dass sie ihren Abschluss früher hätten bekommen können. Oder aber schlichtweg daran, dass sie erst ankamen als die Reden schon fast vorbei waren und die bereits Diplome verliehen wurden.

Ich hingegen musste mich noch bevor ich dazu kam meine Hand auf die Klinke der Eingangstür zu legen, ja bevor ich auch nur daran denken konnte sie zu öffnen, dem ersten Fragengewitter stellen, „DU? HIER? HEUTEEEE? Neeeeeeeinnnnnnn!?“ (Ähnlich wie Terry Pratchetts Tod alles Menschen die sich 1a darauf verstehen in Großbuchstaben zu sprechen) Aber da musste ich durch, schließlich war ich ja nicht zum Spaß da, sondern um J., H., T. und K. und noch ein paar andere die ich mir in den letzten Jahren irgendwie ans Herz oder zumindest in die Nähe davon gegangen sind, einen würdigen Abschied zu bereiten.

Und trotzdem, nervig ist das schon, am Abend auf der Party, zu der ich mich dann doch auch noch hab schleifen lassen, weil es einfach so schön war, dass alle noch mal beisammen waren mit denen man in den letzten Jahren soviel Zeit verbracht hat und die sich nun in alle Winde verstreuen, also am Abend auf der Party, musste ich mich doch tatsächlich fragen lassen, ob ich denn mittlerweile wenigstens ein KIND, oder SOWAS gekriegt habe, IRGENDETWAS das rechtfertigt, dass ich immer noch in dieser grauenhaften Stadt bin, die so unmöglich und so unerträglich ist, dass man es kaum glauben mag, pah 5. Semester, Du blöder Großkotz, was weißt Du schon vom Leben, oder so. Und doch, in dem Moment war ich mal wieder sprachlos, hab mich sogar noch gerechtfertigt, kein Bafög, alles selbstfinanziert, blabla, später, als er schon weg war (wie das nun mal so ist) hab ich mich umgeschaut und gedacht, „Nö, Junge, was ist eigentlich los? Keine Freunde?“ und hab sie mir alle angeschaut, J., M. (die mir zum Glück noch ein wenig erhalten bleibt), T., H., K., die andere M. (die mein Schicksal teilt und ein Kind dieser Stadt ist) und wie sie alle heißen, und hatte einen der glücklichsten Momente der letzten Tage oder Wochen? Fazit: „Nö, echt nicht, scheiß auf die Stadt, scheiß auf das 13. Semester, ich hatte hier eine großartige Zeit, hab wunderbare Menschen kennen gelernt mit denen ich viel gelacht und geweint hab, hab hier und da mein Herz verloren und Verletzungen eingesteckt die es in schlussendlich einfach Wert waren und hatte eine wunderschöne Zeit, und Du?!“

Fazit2: Abend gerettet.
Aber ich schweife ab, denn eigentlich wollte ich doch hier so richtig schön abrotzen über die so genannte Medienstudenten-Elite die sich ach so hervorragend selbst zu feiern weiß, zumindest bei solchen Veranstaltungen, aber eigentlich will ich das glaube ich doch nicht, denn dabei fällt mir nur grade mal wieder auf, das ich mich doch ein wenig zu wichtig nehme, meine AfterShow-Depression ein wenig ausgeprägte ist als ich vermutet hatte und mein grippaler Effekt mir das Gehirn vernebelt. Denn eigentlich hat mich neben einigen geschmacklichen Entgleisungen (über die man jedoch wunderbar schmunzeln kann), den musikalischen Einlagen und den Reden, die langatmiger waren als die ödesten Vorlesungen und dazu weniger aussagekräftig als die taiwanesische Bedienungsanleitung eines Waffelautomaten und den oben erwähnten Fragen nur eines gestört, nämlich, dass nichts mehr so ist, wie es war, dass sich ab nun alles verändert, das unsere Zeit im Studiengang schon lang vorbei ist und das Regiment nun von anderen geführt wird.
Traurig war ich, dass hat mich gestört. Wieder ein Lebensschnitt vorbei, und ein neuer steht vor der Tür, weniges wird bleiben und so langsam wird mir klar, warum ich, genau wie alle anderen auch in einigen Jahren von meiner ach so schönen Studienzeit schwärmen werde, obwohl ich die ganze Zeit gebuckelt hab wie blöd und mir die Sorgen um meinen Lebensunterhalt so manches Mal die Luft abgeschnürt haben. Denn schön und unvergleichlich bleibt dieser Zeit ob der Menschen die ich kennen lernen durfte, ob der Freunde die ich gefunden habe und ob der Erfahrungen die ich gemacht habe und die mir geholfen haben über mich selbst hinaus zu wachsen, mich auf an einen Platz in meinem Leben gebracht haben, von dem ich nicht geglaubt hätte, dass ich ihn erreichen würde.

So gesehen war Freitagabend vielleicht nicht nur der Abend nach dem Tag an dem alles schief gegangen ist, sondern vielmehr der Abend der mir den Tag und die Sicht auf meine kleine Welt gerettet hat, so das ich von nun an nicht mehr andauernd nörgeln kann, das Freitagabend einfach nur der Abend nach dem Tag war an dem alles schiefgegangen, nicht nur der Tag an dem meine kleine nicht in die große Welt passen wollte.

Überbleibsel: Eine deftige Erkältungskrankheit weil M. mir ständig ins Gesicht geatmet hat und ich zu allem Überfluss am Morgen danach auch noch in die von ihr angekaute Pizza beißen mußte. (Jeder andere Ausgang hätte wahrscheinlich auch zwangsläufig einen Höhenflug zur Folge gehabt)

knüpf ich einfach mal an Freitag an, allerdings an den Tag und nicht an den Abend, der wider Erwarten richtig klasse war, aber davon eher später mehr, denn irgendwann heute Nacht scheint mich ein LKW mit voller Breitseite erwischt zu haben, einfach so, ohne Vorwarnung, während ich einfach nur versucht habe ein wenig zu schlafen um mich von meinem erstaunlich produktiven Tag zu erholen. WRRUMMM!! Mitten in mich rein, meine Knochen hat er scheinbar ordentlich verborgen, denn irgendwie kann ich kaum noch gehen, vom Rest mal ganz zu schweigen, Schmiedehammer im Kopf, Hitzewallungen wenn ich auch nur Anstalten mache mich zu bewegen, ich fürchte ich habe mich ein wenig zu wagemutig in Gesellschaft all dieser halbtoten Virenschleudern in meinem Umfeld bewegt,... sollte sehen, dass ich das irgendwie ganz schnell an Herrn Shhhh weitergeschoben bekomme!

Sogesehen war ich wohl zu optimistisch, heute hier, immer noch Jammerblog, tut mir aufrichtig leid. Tut mir nur einen Gefallen, tippt nicht zu fest in die Tasten und denkt nicht allzu laut, das tut doch so weh!

 

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